Lektion in (Selbst-) Liebe

Wenn wir nicht in der Mitte sind, neben der Spur sozusagen

- dann sehen wir uns oft folgender Situation ausgeliefert:

  • Ich fange an zu kritisieren, zu bewerten, zu bemängeln.
  • Ich rege mich auf über alles Mögliche.
  • Irgendein Haar findet sich immer in der Suppe.
  •  Wenn ich einmal damit angefangen habe, ist es schwer, wieder aufzuhören.
  • Ich mache andere dafür verantwortlich, daß es mir nicht gut geht.
  • Ich fühle mich benutzt, ausgenutzt, hintergangen, nicht gesehen, als Opfer.
  • Ich sehe nur „Egoisten“ um mich rum.
  • Ich greife andere an, verurteile sie. Und mich selbst.
  • Ich zerfließe vor Selbstmitleid.
  • Ich will andere verändern, will sie bevormunden.
  • Ich fühle mich einfach nur mies, klein, minderwertig, wertlos, resignierend oder wütend.
  • Ich bestrafe mich selbst.
  • Ich fühle mich schuldig.
  • Ich verletze mich selbst.
  • Ich lasse meinen Frust an anderen aus.
  • Das alles nagt an meinem Selbstwert.
  • Ich mag mich selbst immer weniger.
  • Scham kommt hinzu.
  • Je kleiner ich mich fühle, umso mehr muß ich um mich treten.
  • Das Leben ist dumpf, eng, begrenzt, farblos. Ich steige schon morgens übelgelaunt aus dem Bett.
  • Ich möchte andere zurechtbiegen. Weiß alles besser. Stelle mich über sie.
  • Ich bin neidisch, kann es nicht ertragen, wenn jemand glücklich ist.
  • Gute Ratschläge und weise Sprüche sind das letzte, was ich hören will.

Ein Teufelskreis.

Ich habe mich selbst verlassen.

Ich bin soooo sauer!

 

Warum eigentlich? Auf wen?

 

 

Verurteile dich nicht

 

Wenn dir das passiert – DIR, der du doch schon so abgeklärt bist, so „spirituell“, der du vielleicht sogar anderen hilfst, aus dieser Tiefebene herauszukommen – ja DIR, der du diesen ganzen Mist schon hinter dir glaubtest:

 

Gräme dich nicht. Verurteile dich nicht. Es ist ok. Es darf sein. Das ist menschlich. Sei großzügig. Sei liebevoll mit dir.

 

Suche dir ein stilles Plätzchen und lasse einfach alle Gefühle, die da in dir sind, da sein. Was es auch sei. Wut, Ärger, Frust, Traurigkeit, Enttäuschung, Tränen, Scham, Schuld, Mangel, Einsamkeit, Reue, Missgunst, alle Kleinlichkeit, alle Überheblichkeit, alle Rechthaberei, Neid, Unglücklichsein, Zerrissenheit, Argwohn, Selbsthass, Kleinheit, Abwertung, Ausgrenzung, Verletzlichkeit, Selbstschutz, die Mauern um dich rum, Angst, Enge, Minderwertigkeit, Wertlosigkeit, Resignation, Verurteilung …. Alles darf da sein. Jetzt, in diesem Moment. Gib ihm Platz. Gib ihm Raum. Grenze nichts aus. Heiße es willkommen!

 

Es gibt nichts, was nicht da sein dürfte. Auch bei spirituellen, bewussten, erwachten „Menschenkindern“. Es gibt einfach solche Momente – ausgelöst wodurch auch immer. Oft weiß man den Grund nicht einmal. Wenn es keinen bestimmten Anlass gibt, der dir einfällt, mag es vielleicht daran liegen, daß es fremde Energien sind, die du als sensitiver Mensch aufgenommen hast. Vielleicht geht es dir wie mir manchmal und du saugst die Stimmungen und Gefühle anderer auf wie ein Schwamm und wunderst dich, was denn plötzlich los ist mit dir. Wenn du in ein solches Loch fällst, ist das nicht weiter schlimm. Wichtig ist nur, daß du nicht darin verharrst.

 

 

All diese Gefühle gehören zu uns

 

Es geht nicht darum, all diese unliebsamen Gefühle aus deinem Leben zu verbannen. Das wäre falsch verstanden, destruktiv und auch gar nicht möglich. All diese Gefühle gehören zu unserem menschlichen Sein, genauso wie das Gegenteil dieser Gefühle. Denn in unserer Welt ist alles dual, ist alles polar. Und erst alles zusammen ergibt unser ganzes Potential. Alles gehört zu uns, ist richtig und wichtig.

 

 

Erst alle Teile ergeben ein Ganzes

 

Entscheidend ist, dem, was gerade da ist, Raum zu geben, bewusst zu fühlen und diese Gefühle anzunehmen – anstatt sie weghaben zu wollen oder zu verdrängen. Diese Gefühle wollen nicht stiefmütterlich behandelt und ignoriert werden. Sie wollen akzeptiert, anerkannt, gesehen, gehört, gefühlt werden. Das ist Annahme. Sie sind nur so penetrant, weil du sie nicht haben willst. Wer will schon gerne abgelehnt werden. „Hallo! Ich bin auch noch da! Ich werde dich immer wieder daran erinnern. Darauf kannst du wetten!“

 

Werden diese Gefühle bejahend – ich möchte sogar sagen: in Liebe – angenommen, lassen sie dich los. Mehr braucht es nicht. Aber auch nicht weniger. Transformation findet statt. Wenn du kollektiv Gefühle übernommen hast, kannst du natürlich auch mit Lichtarbeit, der Violetten Flamme oder mit Hilfe der Geistigen Welt u.a. für Transformation sorgen.

 

Viele „Spirituelle“ (in Wirklichkeit gibt es keine Nicht-Spirituellen, denn wir sind geistigen Ursprungs) glauben, sie müßten immer positiv sein und positiv denken und handeln, nur Gutes tun, stets anderen zu Diensten sein, alles „Negative“ oder „Dunkle“ fernhalten etc. – und sind damit heillos überfordert. Kein Wunder! Auch das wird oft missverstanden.

 

Positiv – negativ, hell – dunkel, Licht – Schatten, gut – böse, schön – hässlich, arm – reich, außen – innen, nah – fern... Das Leben spielt sich in Gegensätzen ab. Egal, auf welche Seite du dich begibst – es ist einseitig. Wenn du eine Seite akzeptierst, die andere aber ausschließt, wird sie dich daran erinnern müssen, daß sie auch noch da ist. Wie die zwei Seiten einer Medaille. Du nimmst beide Seiten mit. Die eine ist ohne die andere nicht. Erst alle Teile ergeben ein Ganzes.

 

 

Neutralität bringt uns wieder ins Lot

 

Ist man sich dessen bewusst, kann man einen neuen Standpunkt einnehmen. Einen Standpunkt, an dem man den Blick frei hat für alle Richtungen. Wie bei einer Kinderwippe stehst du in der Mitte. Du siehst beide Seiten. Du weißt, wenn du dich in eine bestimmte Richtung bewegst, wird eine Seite oben sein, die andere unten. Bist du oben, kannst du nicht gleichzeitig unten sein – und umgekehrt. Eine wirklich neutrale Position hast du nur in der Mitte. Du weißt um deine Möglichkeiten, weißt, daß ALLES dein ist – das gesamte Potential ist dein.

 

Von dieser ausbalancierten Position aus – nennen wir sie NEUTRALITÄT – kannst du deine Opfer- und Täteraspekte auf dem Weg in deine Meisterschaft integrieren und hinter dir lassen. Du bist in Frieden mit Allem-was-ist und nicht mehr im Stande, andere als deine „Feinde“ zu betrachten. Alles, was dich vorher so runtergezogen hat – wie weggewischt. Du lässt jeden so sein, wie er gerade ist. Es gibt nichts zu bemängeln oder zu kritisieren. Du weißt um die Höhen und Tiefen und respektierst die Art und Weise, achtest dich und den Weg der anderen. Von dieser Neutralität aus triffst du im gegenwärtigen Moment einfach deine ganz persönliche Entscheidung, deine bewusste Schöpfung, statt zu bewerten und zu verurteilen. Du bist in deiner Mitte.

 

Es kann immer wieder mal herausfordernde Situationen in deinem Leben geben. Wenn es dir nicht gelungen ist, in deiner Neutralität standhaft zu bleiben und du stattdessen in den Sog der alten Muster der Opfer­- und Täterspiele zurückgefallen bist, so verurteile dich nicht. Das Leben prüft uns von Zeit zu Zeit. Entscheide dich einfach NEU für bedingungslose Achtsamkeit und Annahme und einen neuen, bewussten und liebevollen Umgang mit dir, anderen Lebewesen und deiner Umwelt. So kommst du wieder in deine Mitte. Liebe fließt. Du erkennst dich im anderen. Es ist das Leben. Mit allem, was es hervorbringt. Es ist Gott (Quelle, Essenz, Bewusstsein, Stille...), der sich in ALLEM ausdrückt.

 

Und schließlich geschieht es vielleicht, deine Identifikation mit der Person, die du glaubtest zu sein, zu enttarnen und deine wahre Natur zu erkennen. Der ewig unveränderliche, unbewegte EINE, Stille, Nichts – und zugleich ALLES, was in diesem „Nichts“ erscheint.

"ICH BIN" - darin ist alles enthalten. Es ist das Leben. Existenz. Es geht nicht darum, etwas Bestimmtes zu erreichen. Es geht um bejahende Wahrnehmung. Jetzt. Hier. Das, was gerade ist.

 

03.03.2018

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