Sättigungspunkt

Wenn Frieden in mir ist, fließt alles. Alles, alle Energien sind ausgeglichen. Harmonisch durchpulst die Energie meinen Körper, mein ganzes Sein. Der Körper ist gesund, ich fühle mich wohl, ich bin im Fluß.

 

Ist mein Seelenfrieden gestört, fließt es nicht mehr frei. Es gibt Blockaden, Problemherde, Schmerzen. Der Körper macht darauf aufmerksam. Er schreit um Hilfe. Er braucht Aufmerksamkeit. Er schreit nicht nach Pillen, Medikamenten, Heftpflästerchen. Er schreit nach Liebe.

 

Der Körper ist ein Barometer für mein seelisches, psychisches und physisches Wohlgefühl. Er zeigt mir, daß etwas ins Stocken geraten ist. Daß etwas nicht „rund“ läuft, nicht frei fließen kann. Daß ich irgendwie vom Weg abgekommen bin.

 

Der Körper sagt: Schau mal hin. Halt mal an. Wie geht es dir? Was tust du dir an? Warum tust du Dinge, die du gar nicht tun willst? Warum bleibst du, obwohl sich dein Herz schon lange verabschiedet hat? Warum wiederholst du, was dir nicht guttut? Warum stellst du dein Pflichtgefühl über deine Herzenswünsche? Warum sagst du “ja“, wenn du „nein“ meinst oder umgekehrt? Warum belügst du dich selbst? Wo ist die Freude geblieben, der Spaß, die Leichtigkeit? Warum liebst du dich nicht?

Wie kommt es, daß du das alles vergessen hast?

Was muß ich noch tun, damit du mir zuhörst? Endlich hinhörst, mit deinem Herzen? Wo willst du noch überall hinrennen, tun und machen? Was erreichen, was haben wollen? Brauchst du wirklich noch mehr Erfolg, Ansehen, Schulterklopfen? Wann bist du dir selbst genug? Wann kommst du endlich zur Ruhe?

 

Vom Getriebensein zur Selbstliebe

Wann ist der Sättigungspunkt erreicht? Dieses Wort habe ich vor kurzem irgendwo aufgeschnappt. Es gefällt mir. Es ist für mich Ausdruck dafür, daß nun ein Punkt erreicht ist, nämlich ein WENDEPUNKT: Vom Wollen, Tun und Machen – zum Loslassen, Genießen, SEIN.

 

Es kommt mir vor, wie einen Berg zu besteigen:

Es ist mühsam, anstrengend, mit Ruhepausen und gelegentlich schönen Aussichten. Manchmal ist es kalt, manchmal heiß, mal gehst du im Regen, mal in der Sonne. Mal bist du von Nebel umgeben. Gelegentlich zieht ein Sturmtief vorüber und es donnert, blitzt und grollt.

 

Dann bist du endlich am Gipfel angekommen. Ahhhh! Du genießt die Aussicht, die Ruhe, nimmst dir Zeit dafür, lässt deinen Weg, deinen Aufstieg Revue passieren, all die schwierigen Passagen und die schönen, freudigen, alle Begegnungen und Erfahrungen etc. Du siehst dich um. In der Ferne siehst du noch mehr Berge, manche sind noch höher. Die könntest du auch noch besteigen …

 

Sättigungspunkt

Nein. Du verspürst nicht mehr das geringste Interesse daran. Du hast so viel getan, gemacht, erlebt. Du bist müde. Hast keine Kraft mehr. Willst dich nicht mehr anstrengen, verbiegen, kümmern, sorgen, anschaffen, horten, immer noch mehr und mehr. Du brauchst das alles nicht mehr. Erfolg, Ruhm, Ansehen bedeuten dir nichts mehr. Das sind nur noch leere Worthülsen. Die Meinung anderer – ob Zustimmung oder Ablehnung – ist dir einerlei. Du hast so viel erreicht, gesehen, erfahren, genossen, durchlitten, geschmeckt … Du mußt niemandem mehr etwas beweisen, weder dir selbst, noch irgendjemand anderem. Du bist dir auf deiner Reise selber immer näher gekommen – aber du warst dir nie nah genug. Hast immer deine Rollen gespielt. Und du hast sie gut gespielt.

 

NEIN – du hast nicht das Bedürfnis, weitere Berge zu erklimmen. Es ist genug! Du bist satt! Du willst jetzt nur noch du sein. Und genießen! Achtsam, aufmerksam, bewusst – mit allen Sinnen wahrnehmen.

 

Du nimmst dich wahr als Ausdruck des EINEN, weißt um deine wahre Größe, die Liebe, die du bist, weißt um die Verbundenheit mit ALLEM, willst nicht mehr die Welt retten, lässt los, erkennst den Sinn, siehst die „Göttliche Ordnung“ in allem.

 

Du brauchst nicht mehr herabzusteigen vom Berg. Dir sind jetzt Flügel gewachsen. Du gehst in deinen Herzraum und erkennst: Du bist FREI.

 

Du lebst im Moment, du tust nichts mehr, „um zu...“, bist dir der Liebesschwingung bewusst, die überall um dich herum ist und bist bereit, anzunehmen, zu empfangen. Es ist alles da.

 

In einem Bewusstseinszustand der Neutralität fließt du mit dem Strom des Lebens. Du nimmst wahr, ohne zu urteilen und zu bewerten. Du erkennst die Wunder, die Geschenke des Lebens. Du genießt die Intensität, die Lebendigkeit, die Farben, die Gerüche, die Gefühle. Die Liebe. DU BIST.

 

Was du auch tust, tue es mit Liebe. Lass die Liebe dein einziges Motiv sein! Bei allem! Du kannst das Leben nicht kontrollieren. Alles im Außen kann wegbrechen. Es gibt dort keine wirkliche Sicherheit. Alles kann und wird sich mit der Zeit verändern. Den einzigen Halt, das Einzige, was sich nie verändert, findest du nur in dir selbst. Es ist das, was du wirklich bist. Dein göttlicher Kern, deine Essenz, dein wahres Selbst. Dein persönliches, menschliches Ich, ist die Rolle, die du spielst in diesem Leben, als Ausdruck Gottes. Das Göttliche Spiel.

 

"Sättigungspunkt" kann heißen:

  • Daß du nun alle Viere gerade lassen und die Ernte einfahren und genießen darfst.
  • Daß du die Schnauze voll hast von was auch immer und beschließt, daß es Zeit ist loszulassen. Zeit für Veränderung.
  • Daß du deine Ausrichtung auf die Welt nun verlagerst auf dein Herz und lernst, dich selbst zu lieben.
  • Daß du die Illusion durchschaust - die Identifikation mit einer scheinbar getrennten Person, die du glaubtest zu sein. Du bist erwacht.

Bist du eines Tages auf dem Gipfel (wie hoch der Berg auch sein mag) und hast die Nase voll (bist satt), dann breite deine Flügel aus –

und flieg.

 

05.02.2018

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