Ein unvergessliches Ereignis bei einem Waldspaziergang

Eines Tages machte ich einen Ausflug zu den Osterseen. Ich wollte die Natur genießen, Energie tanken, aber vor allem hatte ich viele Fragen im Kopf, für die ich nach einer Antwort suchte.

 

Ich ging einen wunderschönen lichten Waldweg entlang. Es war ein sehr schöner lichtdurchfluteter Wald, ein angenehmer Ort. Aufmerksam wollte ich bewusst alles in mich aufsaugen. Mein Kopfkino war jedoch meistens präsenter und so schritt ich meist völlig gedankenversunken dahin und nahm nichts anderes mehr wahr.

 

In diesem Zustand vernahm ich plötzlich ein komisches Geräusch. Es hörte sich an wie ein Grollen oder Poltern. Ich wunderte mich, blickte mich um, sah nichts, ging weiter und war gleich wieder in Gedanken bei irgendwelchen alten Geschichten.

 

Jedoch das Grollen kam näher, wurde immer lauter und schließlich erkannte ich den Grund: Es war ein riesiger Schwarm Fliegen! Und sie versammelten sich alle rechts des Weges, direkt neben mir und machten einen Höllenlärm! Ich war so perplex, daß ich den nächsten Schritt – der Fuß war schon in der Luft – nicht mehr zu Ende führte, sondern den Fuß langsam wieder zurück auf den Boden stellte und regungslos stehen blieb. Ich schaute die Fliegen an und dachte: „Was geht denn hier vor???“ Sie führten sich wie verrückt auf. Und so einen großen Schwarm sieht man auch nicht alle Tage.

 

Dann fiel mein Blick – und es kam mir so vor, als deuteten die Fliegen dort hin – direkt vor mir auf den Weg. Dort, wo

eigentlich mein nächster Schritt gelandet wäre, lag in voller Schönheit und in voller Länge quer über den Weg –eine Schlange, eine Kreuzotter!!!

 

Nun könnte man vielleicht erwarten, daß ich vor Schreck zurückgesprungen sei oder davongelaufen. Nein. Bin ich nicht. Ich hatte überhaupt keine Angst. Da war nur offenes Staunen! Ich bückte mich etwas und sagte freudig: „Hallo! Wer bist Du denn?“ Gleichzeitig ging mir ein Licht auf und ich sah zu den Fliegen, die jetzt alle ganz ruhig in und auf den Büschen neben uns Platz genommen hatten. Ich war so gerührt und bedankte mich bei den Fliegen vielmals für ihren Liebesdienst. Ihre Aufgabe war damit beendet und sie flogen davon.

 

Ich wandte mich wieder der Schlange zu und sprach mit ihr. Sie rührte sich nicht, war jedoch völlig präsent und hörte mir zu. Das klingt vielleicht ziemlich schräg für unseren menschlichen Verstand, aber ich wußte, daß es so ist. Ich sagte ihr voller Erleichterung, wie froh ich bin, daß mich die Fliegen gewarnt und uns beide so beschützt haben, denn ich war total in Gedanken und hätte sie nicht gesehen. Da war so viel Zärtlichkeit. Ich sagte nochmal „Hallo“ und betrachtete sie ausgiebig in aller Ruhe.

 

Dann erweiterte sich mein Blickfeld und ich sah voller Staunen in ein paar Meter Entfernung vor uns eine kleine Schlange. Eine Baby-Schlange! Und im Heidelbeer-Gestrauch entdeckte ich noch eine.

 

„Ohhh, da sind ja Deine Kinder!“ staunte ich. Da war mir klar, warum sie schützend quer über dem Weg lag. Sie wollte einfach einen sicheren Platz für ihre Kleinen. Und so unbewusst, wie ich daherkam, waren sie in Gefahr. Ich blieb noch einen Moment, wünschte ihnen dann Gottes Segen und ein schönes Leben. In einem größeren Bogen, um sie nicht zu stören, ging ich dann weiter meines Weges.

 

Ich konnte es nicht fassen, was da eben geschehen war. Vorbei waren meine trübsinnigen Gedanken, ich konnte an nichts anderes mehr denken als an dieses „Wunder“. Man muß sich das mal vorstellen: Eine ganze Schar Fliegen versammelt sich extra, um mich im genau richtigen Moment vor dem nächsten Schritt zu bewahren. Denn der wäre nicht gut gewesen. Gar nicht gut. Und auch die Schlange wußte Bescheid! Sie wußte, daß ich nicht wirklich ihr Feind bin und ich wußte, daß sie keine Gefahr für mich ist.

 

Diese Verbundenheit rührt mich zutiefst. Da war einfach nur sooo viel LIEBE und Schönheit und es war wundervoll!

 

 

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