Konzepte - und wie Du Dich daraus befreien kannst

Ich lasse los und komme zu mir zurück: Stille, Leere, Weite, unendlich und grenzenlos: SEIN - in dem ALLES erscheint - wie ein Tropfen oder eine Welle –  und wieder abtaucht in den Ozean.

„Unser Leben“ ist voller Konzepte.

Wie es / etwas / jemand ist – nicht ist – sein soll – auf keinem Fall sein soll ...

 

Voller Bewertungen, Vorlieben, Abneigungen, erstrebenswert, langweilig, sinnvoll – sinnlos, wichtig – unwichtig, liebevoll – lieblos,  voller Annahme oder Ablehnung.

 

Vorsichtig wird inspiziert – und bei „Alarmstufe Rot“ werden Schutzmaßnahmen ergriffen.

Wobei die Skala von uns selbst definiert wird aufgrund unserer Erfahrungen und sie ist uns meist völlig unbewusst.

 

Wir beurteilen, bewerten oder verurteilen andere sehr schnell.

 

Wer ist er/sie? Wie ist sein/ihr Bewusstseinsstand? Lebt er/sie nur an der Oberfläche? Rauchen, Fleisch essen, sich betäuben mit Alkohol, Drogen, wahllos Zeug in sich hineinstopfen, Comedy anschauen, nur kritisieren und jammern, Machtspielchen, andere ausnutzen, Lügner, Heuchler, Aggressive, Opfer oder Täter …

 

Alles Attribute, die ich nicht mag (sagt vor allem der spirituell Suchende ...). Ablehnung. Sofort erwacht das

Bedürfnis, diese „Anderen“ zu belehren, zurechtzubiegen, auf den „richtigen“ Weg zu bringen. Ob sie wollen oder nicht …

 

Es wird gefordert und erwartet: Du mußt dich ändern. Du mußt so und so sein.

Ich will es / ihn / sie anders haben. Und zwar so, wie ich mir das vorstelle, wie ich es für richtig halte.

 

Ob Wetter, Situation oder Mensch: Das ist zu dies, jenes zu das. Jetzt hätte ich es gerne wärmer, aber nicht zu heiß. 

Der eine will Regen, der andere Sonne und der nächste Schnee.

 

Jemand jammert mir was vor – ich habe sofort die passende Lösung / Haltung / Idee für ihn/sie und erwarte, daß diese sofort angenommen und umgesetzt wird. Weil ich weiß, wie’s geht! Ich weiß, was für ihn/sie gut ist!

Dabei will er/sie womöglich nur jammern. Ist gar nicht interessiert an einer Veränderung! (Kommt öfter vor, als man denkt!)

 

Ich bin aber sofort auf die Jammerei angesprungen: identifiziert mit seinem/ihrem (vermeintlichen) Problem.

Dabei habe ich übersehen: Ich wurde gar nicht um Rat gefragt! Es wurde nur gejammert. Sich ausgekotzt. Müll abgeladen.

 

Konzepte über Konzepte!

Wie die Welt meiner Meinung nach ist – und wie sie sein soll!

Gedanken-Muster. Schubladen-Denken. Viele, viele Schubläden.

 

Was wäre, wenn ich all diese Gedanken, Muster, Schubläden, Konzepte etc. streichen würde, auslöschen, verbrennen, vernichten –

einfach loslassen würde?

Nur für einen Moment. Jetzt.

 

Aaahh – ich konnte gerade spüren, wie eine Last abfiel.

 

Einfach  s e i n  lassen.

Taucht etwas davon auf – wird es einfach gesehen.

Es ist einfach da.

Nichts damit machen.

Keine Geschichte dazu basteln.

Es wird einfach „gesehen“ – was gerade da ist.

Keine Anhaftung.

Nicht weghaben wollen.

„Sehen“, es ist nur ein Gedanke.

Es ist nicht die Wahrheit.

 

Das Leben – Gott – kommt gerade als „das“ daher:

Als Sonne, Regen, Jammern, Kritisieren, Person, Sitzen, Zigarette, Rauch, Schmerz, Freude, Traurigkeit ….

 

Was wäre, wenn ich alles – wirklich alles – was gerade da ist, ganz neu und frisch, ganz jungfräulich erleben würde? Wenn es – was es auch ist – gerade aus der Stille, aus dem unendlichen, grenzenlosen SEIN, aus der Leere auftaucht, erscheint und wieder verschwindet – in jedem Moment völlig neu?

 

Jeder Moment, jeder Augenblick wäre neu, frisch, zart, ganz, vollkommen – genau so wie er ist. Was es auch sei. Alles dürfte sein – ganz einfach, weil es so ist wie es ist. In jedem Moment. Ohne Geschichte. Ohne Bewertung. Ohne Zensur.

 

Die Oberflächlichkeit, die ich bei anderen anprangere – ist in Wahrheit meine eigene Oberflächlichkeit: mein Schubladen-Denken, meine Konzepte, die ich anderen überstülpen möchte, mein „Andere-ändern-wollen“, meine Blindheit. Der Gedanke an Trennung: Du und ich. Die Illusion eines handelnden Individuums.

 

Diese vermeintliche Oberflächlichkeit "Anderer", oder was auch immer ich bei Anderen anprangere, kann mich von nun an erinnern an mein Verhaftetsein, meine Identifikation, an meine Konzepte.

 

Ich lasse los und komme zu mir zurück:

Stille, Leere, Weite, unendlich und grenzenlos: SEIN - in dem ALLES erscheint - wie ein Tropfen oder eine Welle –

und wieder abtaucht in den Ozean.

 

Dann bin ich auch nicht mehr identifiziert mit der Person/dem Körper, die/der ich meine zu sein. Dieser Körper tut, was er tut, es geschieht, was geschieht – und zwar immer nur jetzt, dem ewigen „Jetzt“. Es gibt keine Zeit. Und niemand, der etwas tut. Keine Person. Kein Handelnder. Keine Trennung. Es gibt nur SEIN. Eins-Sein. Und das illusorische Spiel darin. In dem sich jeder Einzelne natürlich ganz wichtig nimmt und sich als Nabel der Welt sieht … Identifikation eben.

 

Mein persönliches Leben – nur eine Geschichte. Ein Traum. Der sehr real erscheint.

Als identifiziertes, "scheinbar getrenntes" Wesen bin ich nicht fähig, die Wahrheit zu erkennen.

Ich lebe scheinbar in einem dualen System, das besagt:

Hier bin ich – da bist du. Das ist mein – das ist dein.

Wie du mir – so ich dir. Das ist gut – das ist schlecht.

Ich muß mich anstrengen, kämpfen, damit ich auch ein Stück vom Kuchen abbekomme. Ich will geliebt werden, akzeptiert, gelobt, anerkannt.

Ich mache mich abhängig von der Meinung und dem Wohlwollen anderer. Ich bin manipulierbar durch andere, mich selbst, die Medien, die Werbung. Alles beeinflusst mein Denken, meine Worte, mein Handeln - "meine" Welt.

 

Ich lerne, daß es riskant ist zu vertrauen, sein Herz zu öffnen, Liebe zu zeigen, überhaupt zu lieben. Ich lerne, wie ich sein soll, wie man mich haben will, wie ich mich durchs Leben mogeln kann, wie ich am besten nicht anecke, daß ich mich schützen muß, und vieles mehr. Ich lerne mich zu verbiegen, zu verleugnen und viele Masken zu tragen.

 

Dieses ganze erlernte und erworbene Gedanken-Konstrukt umgibt mich wie eine Decke, eine Hülle, ein Schleier und vernebelt mir eine klare Sicht.

 

Dieses auf Angst basierende Menschen-Leben kann ganz schön anstrengend sein. Klar, es gibt auch lichtvolle, schöne Momente. Aber wie lange halten die an? Spätestens dann, wenn scheinbar wieder so ein Tropf kommt, der dir das Leben vermiesen will … Irgendeiner drückt immer einen deiner vielen Knöpfe …

 

Natürlich kann man dann „gute Ratschläge“ erhalten:

„Übernimm die Verantwortung für dein Leben“, oder „jeder ist seines Glückes Schmied“, oder „du mußt an dir arbeiten, deine Themen auflösen, Blockaden beseitigen“, „mach eine Therapie, geh zum Psychologen, zum Wunderheiler, lerne dich selbst zu lieben …“

 

Oder: „lerne dich selbst kennen, schau nach innen, was ist jetzt gerade, was braucht es jetzt gerade, sei mit dem, was gerade ist, mach keine Geschichte daraus, nimm wahr ..." Und da kommen wir der Sache schon näher.

Du suchst nicht mehr im Außen. Du trittst die Heimreise an. Und endlich – letztendlich – wird klar:

 

Du– dein wahres Selbst – warst und bist schon immer „daheim“. Du warst nie weg. Du warst nie getrennt. Du warst und bist schon immer ewiges, reines SEIN. Die Leinwand, auf der das Leben spielt. Der Körper namens ... ist nur Teil des scheinbaren Spiels. Ein Ausdruck des Göttlichen. So wie alle Materie Ausdruck ist des Göttlichen Spiels. SEIN.

 

Du hast vor lauter Wellen den Ozean nicht gesehen.

Und du kannst den Ozean nicht sehen, denn du  b i s t  der Ozean.

 

Wann dieses Spiel vorbei ist? Wer weiß?

Du (Person) kannst es nicht beenden. Du bist Teil des Spiels.

 

Es geschieht einfach.

 

07.02.2017

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