Meine Angst und mein Beschützer

Angst – groß, mächtig, stark, sitzt in meinem Kopf, im Nacken, ist in mir.

 

 

Angst:

 

H. weiß, daß ich da bin.

H. käme auch ohne mich zurecht. Wenn es nötig wäre, wäre ich schon da.

Das weiß sie auch.

Wenn es mich nicht gäbe, würde es ihr gut gehen. D.h. ab und zu – wenn Gefahr

droht – bin ich ja ganz nützlich. Das weiß sie.

Aber ich muß immer parat stehen.

Das ist mir zu viel. Zu anstrengend. Sie macht sich viel zu viele unnütze Gedanken.

 

 

Frage: Kennst du den Beschützer von H.?

 

Angst: 

 

Ja, na klar kenn ich den. H. sollte viel mehr dem Beschützer vertrauen, dann wäre

ich auch entlastet. Eigentlich bräuchte sie mich gar nicht. Sie weiß es nur nicht.

Der Beschützer ist immer da. Sie zweifelt an ihm.

 

Ich wäre froh, wenn sie mich loslassen würde. Ich will und brauche nicht ständig bei dir zu sein. Du kannst dich darauf verlassen: Wenn es wirklich notwendig ist, bin ich für dich da!

 

  

Fühle mich hier (größerer Abstand) viel wohler. H., du kannst ja gar nichts sehen, wenn ich so dicht und aufgeplustert vor dir stehe. Du kriegst ja gar keine Luft.

Ich verbaue dir ja alles. Das ist der falsche Platz. Ich gehöre neben dich oder - besser noch - weiter weg. Ich nehme dir so viel.

 

Wenn ich nicht da bin, kannst du verletzt werden, oder auch nicht. Du machst deine Erfahrungen.

 

Aber wenn ich ständig da bin, schneide ich dir das Leben ab. Du bist gelähmt. Du „lebst“ nicht mehr. Das ist nicht gut für dich.

 

 

Beschützer:

 

Bin immer bei H. Sie ruft mich in bestimmten Situationen. Wann? Wenn sie verletzt werden könnte. Wenn sie Angst davor hat, verletzt zu werden.

Wenn jemand ans „Eingemachte“ will.

 

Sie müßte mich nicht rufen, ich bin immer da. Eigentlich weiß sie das. Aber da sind so viele Stimmen, so viele Gedanken und sie klammert sich an

die Angst, anstatt auf mich zu vertrauen.

 

 

Frage: Sind das innere oder äußere Stimmen?

 

Beschützer:

 

Das sind Äußerlichkeiten, sie ist ja nicht fähig, wirklich nach innen zu schauen. Sie hat kein Vertrauen in das Leben – in sich selbst, keinen Glauben,

daß alles schon seinen Gang geht und seinen Sinn hat.

 

 

Frage: Aber sie bemüht sich?

 

Beschützer:

 

Ja, sie bemüht sich. Sie kämpft jeden Tag.

 

Aber sie weiß nicht, was sie tun soll. Es ist in Ordnung, daß die Angst in manchen Situationen da ist. Aber wenn sie mir vertraut, braucht sie die Angst

gar nicht mehr.

 

Eigentlich weiß sie das. Aber sie glaubt ihrem Gefühl nicht und hört auf die Gedanken.

 

Angst ist für die Leute da, die nicht an mich glauben.

 

 

Frage: Ich glaube, Beschützer, das macht dich ganz schön traurig.

 

Beschützer:

 

Ja. H. sieht mich nicht, sie nimmt mich nicht wahr. Ich gerate immer mehr in den Hintergrund in dem Moment und verschwinde dann ganz.

Sie ignoriert mich. Sie hört nicht auf ihr Herz (auf mich). Dabei weiß sie doch eigentlich. Das macht mich so unsagbar traurig.

 

 

Der Beschützer stellt sich neben mich.

Ich spüre, wie traurig er ist. Ich würde es gerne ändern. Es tut mir so leid.

Aber er steht trotzdem – obwohl ich ihn so enttäusche und traurig mache – neben mir.

 

Ich schiele zu ihm, ob er wirklich da ist (Bin ich es überhaupt wert? Kann gar nicht glauben, daß er trotzdem da ist. Zweifle.)

Er ist da und sagt, daß er immer bei mir ist. Er sagt, er sorgt dafür, daß ich immer das Richtige zur richtigen Zeit sage oder tue.

Ich muß ihn nur hören, ihn wahrnehmen und ihm vertrauen.

 

Der Beschützer legt die Hände auf meine Schultern und sagt:

 

„Ich bin bei dir bis ans Ende der Welt!“

 

(wann geschrieben?)

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